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Welchen Stellenwert hat die Energiebildung in der Schule? Wie sind die naturwissenschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Bezüge dieser Querschnittsthematik im Unterricht verankert? Wo bestehen Herausforderungen beim Lehren und Lernen, wo gibt es Entwicklungspotenziale?
Angesichts der umfassenden Bedeutung der Energie für die Entwicklung unserer Gesellschaft führt das IPN im Auftrag der RWE Stiftung eine Studie zum Thema Energiebildung in der Schule mit dem Ziel, durch Qualität und Quantität der Vermittlung des Themas Energie an Schulen entlang der Bildungskette von der Grundschule bis zum Gymnasium zu evaluieren und Konzepte für eine substanzielle Verankerung der Energiebildung im Unterricht zu entwickeln. Die Energiebildungsstudie (EBS) ist modular angelegt und untersucht die Lehrpläne (intendiertes Curriculum, Modul 1), den Unterricht (praktiziertes Curriculum, Modul 2) sowie die Ausprägung energiebezogener Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern (Energiebildungstest, Modul 3). Auf der Basis dieser Ergebnisse werden Handlungsempfehlungen entwickelt.
Die vorliegende Bestandsaufnahme basiert auf einer Untersuchung von 184 Lehr- und Bildungsplänen aller Schulstufen und Bundesländer (Modul 1). Darüber hinaus liegen erste Ergebnisse einer Befragung von Lehrkräften aller Schulstufen dazu vor, wie sie im Schulalltag mit Energiethemen umgehen und welche Veränderungsmöglichkeiten aus ihrer Perspektive bestehen (Modul 2).
Die Lehrplananalyse erfolgte in den Sekundarstufen differenziert nach den naturwissenschaftlichen Fächern und den Fächern Technik, Geografie, Wirtschaft und Politik. Sie unterscheidet systematisch-fachliche Bezüge, die im naturwissenschaftlichen Unterricht eine Rolle spielen (Wandlung, Transport, Erhaltung und Entwertung von Energie), sowie technische und gesellschaftliche Aspekte und Kontexte.
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| Abbildung 1: Lehrplananalyse Sekundarstufe I |
Abbildung 1 zeigt beispielhaft die Analysen gymnasialer Lehrpläne des Faches Physik für die Sekundarstufe I. Es fällt auf, dass die Streubreite der Nennungen des Energiekonzepts in den Lehrplänen sehr groß ist. Die Synopse offenbart eine enorme Vielfalt in den länderspezifischen curricularen Vorgaben zum Energiekonzept. Diese betreffen sowohl innerfachliche als auch überfachliche Aspekte. Demnach sind die Voraussetzungen in Bezug auf die Energiebildung ausgehend von den Lehrplänen sehr unterschiedlich angelegt. Einerseits muss man konstatieren, dass eine Reihe von Bundesländern einen klaren Schwerpunkt auf Energiebildung setzt. Andererseits ist zu erkennen, dass die Gewichtung naturwissenschaftlicher, technischer und überfachlicher gesellschaftlicher Aspekte der Energie in den Lehrplänen sehr stark variiert.
Der Fokus der Vorgaben liegt deutlich auf der Vermittlung fachlicher naturwissenschaftlicher Themen. In den Physiklehrplänen der Sekundarstufe I werden Bezüge zur Technik und in geringerem Umfang zu gesellschaftlichen Fragen hergestellt. Ökologische und ökonomische Kontexte werden erwähnt, vor allem in Zusammenhang mit der Energiebereitstellung und Nutzung. Durchgängiges Thema in allen untersuchten Lehrplänen ist das Themenfeld "Energie sparen".
In vielen Lehrplänen der Sekundarstufe II verschiebt sich das Gewicht auf eine Verstärkung der innerfachlichen Aspekte. Dies ist insofern überraschend, als man eigentlich erwarten sollte, dass eine Diskussion komplexer technischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge eher in die Sekundarstufe II verlagert wird, wenn die Jugendlichen über größere Erfahrungen und eine breitere Wissensbasis verfügen. Doch nach Maßgabe der Lehrpläne findet hier eine rückläufige Entwicklung statt. Gesellschaftliche Aspekte treten in der Oberstufe eher in den Hintergrund.
Manche Länder sind in der Vergangenheit von der Praxis detaillierter Lehrpläne abgerückt und geben nur relativ knappe Beschreibungen der Ziele vor. Aussagekräftiger sind vielmehr die Gewichtungen zwischen den einzelnen Bereichen. Auch hier bestehen erhebliche länderspezifische Unterschiede, wie eine genauere Betrachtung der innerfachlichen Schwerpunkte zeigt.
Die Bestandsaufnahme zeigt Handlungsbedarf auf, nicht zuletzt auch angesichts erheblich divergierender Entwicklungen in den Ländern und des noch stärkeren Auseinanderdriftens der Ziele in den nicht-gymnasialen Schulformen. Mehr als nur abstrakt besteht die Gefahr, dass ein beträchtlicher Teil der Schülerinnen und Schüler derzeit in einem nicht ausreichenden Maß für eine kompetente Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Energiezukunft vorbereitet werden.
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| Abbildung 2: Verankerung der Energiebildung aus der Sicht von Lehrkräften unterschiedlicher Schulstufen |
Ergänzend liegen Aussagen von rund 400 Lehrkräften zum Status der Energiebildung vor. Sie bestätigen und präzisieren die Befunde der Lehrplananalysen. Es besteht ein deutliches Defizit hinsichtlich der Verankerung der Energiebildung im Unterricht, wie die Meinungsprofile in Abbildung 2 exemplarisch zeigen. Weitere Befragungsergebnisse und Lehrplananalysen sind über Lehrer-Online zugänglich.
Die Energiebildungsstudie möchte zu einem umfassenden Diskurs über die Erneuerung der Energiebildung anregen. Aktuell wird eine Delphi-Befragung zur Implementation des Energiethemas an Schulen durchgeführt. Es besteht für interessierte Lehrkräfte die Möglichkeit, an dieser Befragung teilzunehmen (Link).
Informationen zum Thema
Dr. Maja Brückmann
Prof. Dr. Manfred Euler