alles»könner

Der Schulversuch alles»könner hat mit Beginn des Schuljahres 2008/09 seine Arbeit in Hamburg begonnen. Er ist insgesamt auf fünf Jahre angelegt. Sein zentrales Ziel ist die individuelle Kompetenzförderung von Schülerinnen und Schülern in der Primarstufe sowie der Sekundarstufe I durch den schulischen Unterricht. Es sind 48 Schulen (Grund- und Stadtteilschulen sowie Gymnasien) mit 190 Lehrkräften beteiligt. Der Schulversuch erstreckt sich über die Fächer und Fächergruppen Deutsch, Fremdsprachen, Gesellschafts­wissenschaften / Religion, Kunst / Musik, Mathematik, Naturwissenschaften, Sachunterricht sowie die Überfachlichen Kompetenzen. Das IPN hat die wissenschaftliche Leitung des Schulversuchs übernommen und ist darüber hinaus gemeinsam mit Prof. Möller von der Christian-Albrechts-Universität Kiel für seine Evaluation verantwortlich.

Der Hamburger Schulversuch schließt an die Verfahrensweise zur Fortbildung von Lehrkräften und zur Weiterentwicklung von Unterricht der drei Kontextprojekte des IPN (CHiK, piko und bik) an. In Fachsets werden die Expertise der Lehrkräfte einerseits und die Expertise der Wissenschaftler/-innen andererseits zusammen geführt und für das Entwerfen von Unterrichtskonzepten zur individuellen Kompetenzentwicklung genutzt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der Entwicklung und Prüfung verschiedener Rückmeldeformate als Instrument der Kompetenzförderung im und durch Unterricht. Ergänzt werden die Sets durch Vertreter / -innen des Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung.

Auftrag der Evaluation ist es zu überprüfen, ob und in welchem Ausmaß die Ziele des Schulversuchs im Projektverlauf erreicht werden.

Ziele des Schulversuchs

  1. Der Unterricht fördert bestmöglich die individuelle kumulative Kompetenzentwicklung jeder Schülerin und jedes Schülers.
  2. Die Rückmeldeformate fördern die individuelle Kompetenzentwicklung jeder Schülerin und jedes Schülers, indem sie die individuellen Fortschritte betonen. Sie geben ihr/ihm darüber hinaus eine Orientierung bezüglich der erwarteten Kompetenzen.
  3. Die Kooperationskultur der Schulen untereinander und der Lehrerteams innerhalb einer Schule fördern und sichern die Unterrichtsqualität. Schulnetzwerke und Einzelschulen sind lernende Systeme für kontinuierliche Unterrichtsentwicklung.
  4. Ergebnisse des Schulversuches fördern die Etablierung einer neuen Lernkultur im Hamburger Schulsystem.
  5. In der BSB gibt es einen gemeinsamen Handlungsrahmen zur Kompetenzorientierung

 

Aufbau und Struktur des Schulversuchs

Um die Ziele von alles»könner realisieren zu können wurden auf verschiedenen Ebenen professionelle Lern- und Arbeitsgemeinschaften eingerichtet, die an der Unterrichtskonzeptionen für die verschiedenen Fächern arbeiten. Insgesamt arbeiten 48 Schulen aus dem Primar- und Sek I-Bereich mit. Von diesen Schulen fungieren 5 Schulen als Referenzschulen. Diese Referenzschulen stellen für die einzelnen Fächer Setkoordinatoren, die gemeinsam mit Vertretern aus der Fachdidaktik und aus dem Landesinstitut für Lehrerfortbildung in Hamburg (LI) die Fachgruppen bilden. In den Fachgruppen werden theoretisch begründete kompetenzorientierte Unterrichtskonzeptionen vorbereitet. Jeder Setkoordinator wiederum betreut ein Fachset mit 6-10 Fachkoordinatoren. Dort werden kompetenzorientierte Lernarrangements und Materialien für den Unterricht neu entwickelt und Strategien erarbeitet, wie diese an den beteiligten Schulen disseminiert werden. Insgesamt gibt es 27 Fachsets für die verschiedenen Fächer. Die Fachkoordinatoren erarbeiten dann in ihren Fachteams an den Schulen konkrete Unterrichtsverläufe, Aufgaben, Diagnoseinstrumente usw., um dem Ziel eines individualisierten, die einzelnen Kompetenzen der Lernenden Unterrichts ein Stück näher zu kommen. Zur Unterstützung des Schulentwicklungsprozesses sind auch Arbeitsstrukturen gebildet worden, in denen u.a. die Schulleitungen aller beteiligten Schulen sich in regelmäßigen Abständen treffen, um an der Implementation der neuen Unterrichtskonzeptionen an ihren Schulen zu arbeiten.

Kooperationspartner

Zur wissenschaftlichen Unterstützung der konzeptionellen Arbeiten in den Fachgruppen des Schulversuchs konnten eine Reihe von Kooperationspartnerinnen und –partner gewonnen, welche die Arbeit in den Fachgruppen mit ihrer Expertise unterstützen. Diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich darüber hinaus in einem Forschungsprojekt komdif zusammengefunden, um parallel zum Schulversuch gezielt an fachdidaktische und pädagogisch-psychologische Fragestellungen zu forschen.

 

Funktion / BereichVerantwortliche/rUniversität
Deutsch Prof. Dr. T. Zabka
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Universität Hamburg
Fremdsprachen Prof. Dr. D. Caspari
Homepage
FU Berlin
Biologie Prof. Dr. H. Prechtl
Homepage
Universität Potsdam
Kunst Prof. Dr. M. Peters
Homepage
Universität Bremen
NaWi Prof. Dr. H. Schecker
Homepage
Universität Bremen
Mathematik Prof. Dr. A. Heinze
Homepage


IPN Kiel
Sachunterricht Dr. J. Pareigis IPN Kiel
Religion / Gesellschafts-wissenschaften Prof. Dr. M. Rothgangel
Homepage
Universität Wien
Überfachliche Kompetenzen Prof. Dr. J. Möller
Homepage
Universität Kiel
Evaluation Prof. Dr. J. Möller
Homepage

Universität Kiel

 

Evaluation

Basierend auf den Zielen des Hamburger Schulversuchs wurden für die formative und summative Evaluation zentrale Fragestellungen herausgearbeitet und dazu kompatible Untersuchungsmethoden gewählt.

Fokus der Evaluation ist die angestrebte systematische kompetenzorientierte Unterrichtsentwicklung. Diese Unterrichtsentwicklung ist die Voraussetzung für eine bestmögliche Förderung der individuellen Kompetenzentwicklung jeder Schülerin und jedes Schülers. Im Rahmen des Schulversuches werden Prozesse gestaltet, die die gewünschte Unterrichtsentwicklung initiieren und systematisch verankern und Instrumente für den Einsatz im Unterricht entwickelt, die die individuelle Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler fördern. Im Kern der Evaluation stehen daher die Prozesse zur Veränderung des Unterrichts und die Wirkungen der exemplarisch entwickelten Instrumente. Eine globale Leistungsmessung steht nicht im Vordergrund.

  1. Wie verändert sich der Unterricht in den am Hamburger Schulversuch beteiligten Klassen im Vergleich zum Unterricht von Klassen, die nicht am Hamburger Schulversuch teilnehmen?
    Aspekte, die dabei unter anderem berücksichtigt werden, sind die Kompetenzorientierung im Unterricht, die Diagnosekompetenz der Lehrkräfte, die Qualität der neu entwickelten Aufgabenformate und Unterrichtsentwürfe im Hinblick auf eine individuelle Förderung der Schüler. Dabei kommen sowohl eigens entwickelte wie auch bestehende Instrumente zur Erhebung der Unterrichtsqualität zum Einsatz. Gleichzeitig werden dabei auch die Daten der Hamburger Schulinspektion herangezogen.
  2. Wie wirken sich die veränderten Rückmeldeformate (lernbegleitende Rückmeldeformate und Rückmeldungen zum Lernstand) auf ausgewählte Schüler- und Lehrermerkmale aus?
    Auf Seiten der Lehrkräfte wird dabei z.B. die Entwicklung der Bezugsnormorientierung betrachtet. Auf Seiten der Schülerinnen und Schüler wird die Motivationsausprägung beim Einsatz unterschiedlicher Rückmeldeformate untersucht. Die Akzeptanz(entwicklung) der neu entwickelten Rückmeldeformate bei Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie den Eltern ist ebenfalls Bestandteil der Evaluation. Zur Beantwortung dieser Fragestellung werden primär Lehrer - und Schülerfragebögen eingesetzt.
  3. Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit der beteiligten Personen innerhalb und zwischen den im Schulversuch gebildeten Lern- und Arbeitsgemeinschaften (Fachgruppen, Fachsets und schulinterne Fachteams)?
    Im Rahmen der formativen Evaluation werden die regelmäßigen Treffen der Arbeitsgruppen hinsichtlich der Qualitätskriterien erfolgreicher Lerngemeinschaften befragt. Die Ergebnisse dieser Kurzbefragungen werden den Arbeitsgruppen als Feedback zur Qualitätssicherung präsentiert.
  4. Wie wirkt sich der Hamburger Schulversuch auf die Kooperationsstrukturen in den beteiligten Schulen aus?
    Die in den Schulen eingerichteten Strukturen werden analysiert mit Hilfe von Beobachtungsverfahren und Interviews mit den Beteiligten. Zusätzlich werden Fragebögen für Schulleitungen, Lehrkräfte, Schulaufsicht und Wissenschaftler eingesetzt, um zu untersuchen, inwieweit die notwendigen Strukturen zur Implementation und Dissemination der neuen Unterrichtskonzeptionen realisiert werden können.
  5. Wie entwickeln sich überfachliche und ausgewählte fachliche Kompetenzen im Verlauf des Hamburger Schulversuchs?
    Die Überprüfung der Ziele erfordert die Befragung verschiedener Zielgruppen mit Hilfe unterschiedlicher Untersuchungsdesigns. Um zu klären, ob die individuelle kumulative Kompetenzentwicklung jeder Schülerin und jedes Schülers durch den Hamburger Schulversuch gefördert werden kann, werden überwiegend externe Kriterien herangezogen. Dazu werden Daten aus den vorliegenden Lernstandserhebungen in Hamburg genutzt und die Werte der beteiligten Schulen mit den Werten nicht beteiligter Schulen verglichen, um Veränderungen in den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler bestimmen zu können. Für Kompetenzbereiche, die in diesen Erhebungen nicht erfasst werden, sowie für die Fächer, die nicht Gegenstand der Hamburger Lernstandserhebungen sind, werden in enger Zusammenarbeit mit den kooperierenden Wissenschaftlern Leistungs- und Kompetenztests (weiter)entwickelt und eingesetzt. Die Entwicklung der Schülerkompetenzen wird im Längsschnitt durch regelmäßige Erhebungen erfasst.

Insgesamt ist das Untersuchungsdesign der Evaluation längsschnittlich angelegt, wobei die zu untersuchenden Gruppen regelmäßig in Jahresabständen befragt werden. Diese Daten werden mit den Daten aus Kontrollschulen verglichen, um Rückschlüsse über die Wirksamkeit des Hamburger Schulversuchs ziehen zu können.


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