Kompetenzielle Rückmeldung

Effekte kompetenzieller Rückmeldung beim Experimentieren im naturwissenschaftlichen Unterricht

 

Theoretischer Hintergrund

Mit der Einführung von Kompetenzmodellen sollen letztlich individuelle Lernentwicklungen von Schülern beschrieben und vor allem optimiert werden. Daher stellt sich die Frage, wie und mit welchen Effekten Kompetenzmodelle zu Leistungsrückmeldungen genutzt werden können. Leistungsrückmeldungen orientieren sich an sozialen, individuellen oder kriterialen Bezugsnormen (Rheinberg, 2008) und beeinflussen Lernentwicklungen von Schülern (Kluger & DeNisi, 1996). Mit der Beurteilung von Schülerleistungen durch Kompetenzstufenmodelle tritt eine sogenannte kompetenzielle (kompetenzstufenorientierte) Bezugsnorm neben die etablierten sozialen, individuellen oder kriterialen Bezugsnormen.


Ziel

In dem geplanten Forschungsvorhaben sollen Effekte kompetenzieller Bezugsnorm­orientierung untersucht werden.


Aufbau der Untersuchung

Ausgewählt wird dafür das Experimentieren im naturwissenschaftlichen Unterricht in der Sekundarstufe I (8. Klasse). Anknüpfend an ein validiertes Kompetenzstrukturmodell (Mayer, Grube & Möller, 2008) werden leistungsbezogene Rückmeldungen in Relation zu Kompetenzstufen formuliert, welche einer kompetenziellen Erweiterung der kriterialen Bezugsnorm entsprechen. Untersucht wird, wie sich eine an Kompetenzstufen orientierte Leistungsrückmeldung im Vergleich zu einer sozialen Bezugsnorm auf Selbsteinschätzungsprozesse der Schüler und ihre Leistung beim Experimentieren auswirkt.


Erwartete Ergebnisse

Erwartet wird, dass eine kompetenzielle Rückmeldung im Vergleich zu einer sozialen Bezugsnorm lernförderlicher ist (Studie 1). Dies sollte besonders dann gelten, wenn die Rückmeldung zusätzlich zu einer externen Rückmeldung (Lehrerrückmeldung) auch intern erfolgt, d.h. die Schüler selbst ihre Kompetenz einstufen (Studie 2). Explorativ werden Auswirkungen der kompetenziellen Bezugsnorm auf Mediatorvariablen, wie z. B. Selbsteinschätzungsprozesse der Schüler, untersucht.


Kooperationen am IPN

Aufgrund der thematischen Überschneidung des Forschungsschwerpunktes (Effekte von kompetenzorientierter Rückmeldung) besteht innerhalb von komdif eine Zusammenarbeit mit Herrn Hans Spielhaupter aus der Abteilung Didaktik der Mathematik (IPN). Im Rahmen beider Promotionsprojekte sollen kompetenzorientierte Rückmeldeformate theoriegeleitet entwickelt und deren Effekte empirisch untersucht werden.


Literatur

Kluger, A. N., & DeNisi, A. (1996). Effects of feedback interventions on performance: A historical review, a
meta-analysis, and a preliminary feedback intervention theory. Psychological Bulletin, 119, 254-284.

Mayer, J., Grube, C., & Möller, A. (2008): Kompetenzmodell naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung. In U. Harms & A. Sandmann (Eds.), Lehr- und Lernforschung in der Biologiedidaktik. Band 3. Ausbildung und Professionalisierung von Lehrkräften. Forschungsband zur Internationalen Tagung der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik im VBiO – Verband Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin, Essen 2007. Innsbruck: Studienverlag.

Rheinberg, F. (2008). Bezugsnormen und die Beurteilung von Lernleistung. In W. Schneider & M. Hasselhorn (Eds.), Handbuch Pädagogische Psychologie (pp. 178-186). Göttingen: Hogrefe.