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Die SH-Sommeruniversität – auch im 11. Jahr ein wichtiges Diskussionsforum für Schulpraxis und Bildungsforschung

21. August 2018
Die SH-Sommeruniversität – auch im 11. Jahr ein wichtiges Diskussionsforum für Schulpraxis und Bildungsforschung

Dr. Dorit Stenke (li.), im Bild mit Organisatorin Prof. Dr. Ute Harms vom IPN, eröffnete die 11. S-H Sommeruniversität für Lehrkräfte in Sankelmark.

In der diesjährigen SH-Sommeruniversität, zu der 50 Lehrkräfte aller Schulformen aus Schleswig-Holstein nach Sankelmark kamen, standen zwei aktuelle Herausforderungen an Schule auf dem Programm: der Umgang mit Heterogenität und die Digitalisierung.

Die Veranstaltung wurde eröffnet von der Staatssekretärin aus dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Frau Dr. Dorit Stenke, und geleitet von Frau Prof. Ute Harms, die die Christian-Albrechts-Universität und das IPN vertrat. Stenke betonte in ihrem Grußwort: „Die Gestaltung des digitalen Wandels mit dem Ziel, Teilhabe und Mündigkeit sowie Chancengerechtigkeit für jedes Kind zu schaffen, ist einer der Schwerpunkte der schleswig-holsteinischen Bildungspolitik.“ So seien allein 9,6 Millionen Euro vorgesehen, um das Programm „Schulen ans Netz“ fortzusetzen und die Glasfaseranbindung der Schulen weiter auszubauen. „Erstmals werden wir das Lernen mit digitalen Medien in der Lehrkräftebildung systematisch verankern“, so Stenke weiter. Auch das sei ein entscheidender Schritt ebenso wie die Einrichtung eines Zentrums für Blended Learning für die Lehrerfortbildung und der Aufbau einer digitalen Bildungsplattform.

Die hohe Bedeutung und Gefahren der Digitalisierung für Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule machte Prof. Thomas Bliesener vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen in seinem Eröffnungsvortrag deutlich, in dem es um Jugendliche im Web 2.0 und ihr Erleben von Grenzüberschreitungen ging. Bliesener stellte sehr anschaulich dar, mit welchen überaus problematischen Inhalten Kinder und Jugendliche in sozialen Netzwerken konfrontiert werden können. Aufgabe von Schule und Familie sei es in einem ersten Schritt, das Problembewusstsein zu stärken, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Studien zeigten, Appelle, die auf Angst zielen sind wirkungslos. Erwachsene mit eigener Medienkompetenz werden von Kindern und Jugendlichen in diesem Zusammenhang eher in Probleme eingeweiht als Erwachsene mit geringer digitaler Kompetenz, was die Bedeutung einer fundierten digitalen Bildung seitens der Lehrkräfte deutlich macht. Im Zentrum von Schule sollte daher die Förderung einer kritischen Medienkompetenz stehen, die unter anderem für Gefahren und Konsequenzen des Web sensibilisiert und den Umgang mit persönlichen Daten thematisiert. Notwendig ist außerdem die Vereinbarung von Verhaltensregeln (Netiquette) und das Hinwirken auf die Entwicklung von Zivilcourage im Netz.

In den folgenden Beiträgen stand das Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Vordergrund. Herr Prof. Detlev Leutner von der Universität Essen-Duisburg setzte aus kognitionspsychologischer Perspektive auseinander, wie Lernangebote mit Text und / oder Bild auf Lernprozesse wirken und wie kognitive Überlastung diese beeinflussen können. In zwei sich anschließenden Workshops wurden unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten dynamischer Visualisierungen, von Online-Plattformen und Apps sowie Erklärvideos von Mitarbeitern des IPN, Herrn Dr. Tim Höffler und Herrn Dr. Till Bruckermann, sowie von Frau Dr. Janet Blankenburg erläutert und an konkreten Beispielen veranschaulicht. Herr Prof. Matthis Kepser von der Universität Bremen rundete das Programm zur Digitalisierung mit seinem Vortrag zum Thema Schule heute in der informatorischen Partizipationsgesellschaft ab. Er stellte unter anderem heraus, welche zahlreichen Möglichkeiten Computerspiele für kreatives Arbeiten im Deutschunterricht bieten.

In ihrem Grußwort ging die Staatssekretärin auch sehr ausführlich auf den zweiten Themenschwerpunkt, den Umgang mit Heterogenität, ein. Sie hob heraus, dass die Schule als zentrale Bildungsstätte zuallererst die Auswirkungen einer sozial und ethnisch heterogenen Schülerschaft zu spüren bekomme. Sie erläuterte: „Bildungsgerechtigkeit ist deshalb eine der drängendsten Aufgaben unserer Zeit. Wir wollen mehr Chancengerechtigkeit und investieren deshalb unter anderem in einen Bildungsbonus für Schulen in schwierigen sozialen Lagen. Zugleich erfordert die zunehmende Heterogenität auch neue Konzepte für die Demokratieerziehung oder den Umgang mit religiös motiviertem Extremismus. Auch diese Themen gehen wir gemeinsam mit den Schulen an.“

Diese Aspekte von zunehmender Heterogenität in Schulen nahmen Frau Prof. Isabell van Ackeren und Frau Dr. Nina Bremm von der Universität Duisburg-Essen in ihrem Workshop zu Heterogenität und Schulentwicklung an Schulen in deprivierter Lage auf. Für das Fach Deutsch zeigte Frau Dr. Simone Jambor-Fahlen differenzierte Möglichkeiten zur Förderung des Leseverstehens  für die Grund- und die Sekundarstufe auf; für den Englischunterricht zeigte Herr Prof. Olaf Köller vom IPN aktuelle Daten zu den Erträgen des Englischunterrichts sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarstufe. Frau Prof. Jessika Golle von der Eberhard Karls Universität in Tübingen gab abschließend in ihrem Vortrag einen umfassenden Überblick über Möglichkeiten der Identifikation und Förderung besonders begabter Kinder.

Auch in diesem Jahr wurden die wissenschaftlichen Beiträge von den Teilnehmenden mit hohem Interesse aufgenommen. Informelle Phasen sowie ein Ausflug auf der Schlei boten über die Diskussionen im Anschluss an die Vorträge und über die Workshops hinaus die Möglichkeit, mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern direkt ins Gespräch zu kommen. So war die Sommeruniversität auch in diesem Jahr wieder ein Forum für die Vertreterinnen und Vertreter aus der Schulpraxis, um wichtige und zukunftsweisende Themen zu vertiefen und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse kennenzulernen.

Kontakt am IPN
Prof. Dr. Ute Harms
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