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Plastikpiraten-Studie belegt massives Müllproblem an deutschen Flüssen

19. Dezember 2018

Plastikmüll und Zigarettenkippen finden sich an fast allen deutschen Flüssen - zurückgelassen von Menschen, die das Flussufer als Erholungsraum nutzen. Eine erste wissenschaftliche Veröffentlichung zum Citizen-Science-Projekt „Plastikpiraten" belegt das Müllproblem an deutschen Flussufern nun mit Zahlen. Plastikpiraten ist ein Verbundprojekt, für die schleswig-holsteinische Beteiligung an dem Projekt ist die Kieler Forschungswerkstatt, eine gemeinsamen Einrichtung der Kieler Universität und des IPN, verantwortlich.

Die Daten zeigen, dass im Durchschnitt 0,5 Müllteile pro Quadratmeter Uferfläche vorkommen und etwa ein Drittel des Mülls aus Plastik besteht. Neben Plastikmüll gehörten Zigarettenkippen zu den häufigsten Funden. Auch Glasscherben, spitze Metallgegenstände, gebrauchte Hygieneartikel und andere Materialien, die Kindern und Erwachsenen gefährlich werden können, wurden an fast jedem Flussufer entdeckt. „Die Zahlen verdeutlichen, dass wir auch in Deutschland ein Müllproblem an Flüssen haben", sagt Katrin Knickmeier von der Kieler Forschungswerkstatt. „Dieser Müll landet irgendwann auch im Meer."

Hauptmüllquellen sind nach Einschätzung der teilnehmenden Schülerinnen und Schülern an fast allen Standorten die Flussbesucher, die Müll zurücklassen. Darauf deuten auch größere Ansammlungen von Müllteilen hin, z.B. Anhäufungen von Einweg-Plastikgeschirr, Lebensmittelverpackungen aus Plastik oder Reste von Picknicks und Grillbesuchern.

Die Ergebnisse aus den Jahren 2016 und 2017 sind nun in der Fachzeitschrift „Environmental Pollution" veröffentlicht worden. Vor der Veröffentlichung wurden die eingegangenen Datensätze durch die Kieler Forschungswerkstatt genau geprüft. „Daten aus Citizen-Science-Projekten werden oft hinterfragt und müssen daher genau kontrolliert werden, damit sie Akzeptanz in der Wissenschaftsgemeinschaft finden. Deshalb mussten auch diverse Datenpunkte aussortiert werden", sagt Tim Kiessling, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kieler Forschungswerkstatt, der die Daten ausgewertet hat. „Ohne die Beteiligung der vielen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte wäre eine solch groß angelegte Studie aber überhaupt nicht möglich gewesen. Deren Einsatz hat ganz entscheidend dazu beigetragen, dass wir nun endlich mehr wissen über die Müllverschmutzung unserer Flüsse", so Tim Kiessling. Die Methode wurde von der Kieler Forschungswerkstatt und den Científicos de la Basura („Müllwissenschaftlern") in Chile entwickelt. Letztere untersuchen (Plastik)Müll bereits seit dem Jahr 2007 mit der Unterstützung von Citizen-Science. Die Forschungsdaten werden in Deutschland auf der Projektwebseite http://bmbf-plastik.de/plastikpiraten/ergebnisse gesammelt und von der Kieler Forschungswerkstatt in enger Zusammenarbeit mit Prof. Martin Thiel von der Universidad Católica del Norte in Coquimbo ausgewertet und überprüft.

„Citizen-Science-Projekte erzeugen jedoch nicht nur wissenschaftliche Daten, sondern vermitteln auch Fachwissen und einen Einblick wie Wissenschaft funktioniert. Wir hoffen auf diese Weise zu vermitteln, dass Wissenschaft für alle zugänglich ist", sagt Katrin Kruse, die das Projekt pädagogisch begleitet. „Außerdem erlaubt die Beteiligung an den Plastikpiraten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihr eigenes Konsumverhalten zu reflektieren und zu überdenken.", so Katrin Kruse.

Linda Mederake, die die Aktion für das Ecologic Institut koordiniert, betont: „Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Citizen-Science-Projekte bei Schülerinnen und Schülern langfristig Interesse an einem Thema wecken können. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass das Projekt auch 2019 gefördert wird." Die nächste Möglichkeit zur Teilnahme besteht im Mai und Juni 2019.