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Unter Federführung des IPN werden Daten der großen Hamburger Schulleistungsstudien vertiefend analysiert

15. Juli 2016

DFG fördert fünf Projekte / IPN-Projekt untersucht Nachhilfeunterricht

Kiel, 15. Juli 2016. Seit vielen Jahren sind Schulleistungsstudien in aller Munde. TIMSS und PISA sind die bekanntesten solcher Studien, die international Leistungen von Kindern und Jugendlichen vergleichen. Aber auch einzelne Bundesländer testen die Schülerinnen und Schüler ihrer Schulen regelmäßig und erheben Daten rund um das Lernen. Eine Vorreiterrolle hat hier ohne Frage die Stadt Hamburg gespielt. Dort wurden in zwei großen Längsschnittstudien seit dem Jahr 1995 Schülerinnen und Schüler alle zwei Jahre befragt, und zwar in den Studien LAU (Aspekte der Lernausgangslage und Lernentwicklung) sowie KESS (Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern). Beide Studien zeichnen sich dadurch aus, dass ein kompletter Jahrgang von der 5. Klasse bis zum Ende der Schulzeit untersucht wurde, so dass schulische Karrieren über längere Zeiträume analysiert werden können. Beide Datensätze bieten ein fast unerschöpfliches Potenzial für zusätzliche Auswertungen.

Vor diesem Hintergrund gründete sich im Sommer 2012 das wissenschaftliche Konsortium MILES (Methodological Issues in Longitudinal Educational Research) unter der Leitung von Prof. Dr. Olaf Köller, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN). Auf Basis eines Vertrages zwischen der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung und dem IPN wurden die sicherlich einmaligen LAU- und KESS-Daten dem MILES-Konsortium für vertiefende wissenschaftliche Auswertungen, sogenannte Sekundäranalysen, überlassen. Die Datensätze werden seitdem dokumentiert, überarbeitet und vervollständigt.

Aus dem MILES-Konsortium heraus wurden sieben Projektanträge bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht, von denen nun fünf eine Förderung durch die DFG in Gesamthöhe von rund 700.000 Euro erhalten. Norbert Maritzen, Direktor des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung, Hamburg, sprach „von einem großen Durchbruch in der Kooperation zwischen der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Wissenschaft, mit dem es gelingen wird, die einzigartigen Hamburger Datensätze aus den LAU- und KESS-Studien vertiefend auszuwerten“.

Gleich zwei der Projekte untersuchen die Chancengleichheit im Bildungssystem. Ein Projekt wird der Frage nachgehen, wie sich bilingualer Unterricht auf die Leistungen und die Motivation von Schülerinnen und Schülern in den Fächern Deutsch und Englisch sowie in den naturwissenschaftlichen Fächern auswirkt. Ein weiteres Projekt untersucht die Effekte von Auslandsaufenthalten von Schülerinnen und Schülern auf ihre Schulleistungen. Auch das vom IPN eingereichte Projekt zum Thema Nachhilfeunterricht wird von der DFG gefördert.

Wie sinnvoll ist Nachhilfeunterricht?

In der Sekundarstufe nehmen in Deutschland mehr als zwanzig Prozent der Schülerinnen und Schüler privaten Nachhilfeunterricht in Anspruch, der unter bestimmten Bedingungen sogar staatlich bezuschusst wird. Ob Nachhilfeunterricht sein Hauptziel, die Verbesserung der Schülerleistungen, überhaupt erreicht, ist aber fraglich. Ebenso offen ist, unter welchen Bedingungen sich die Leistungen der Schülerinnen und Schüler verbessern und wie Nachhilfeunterricht gestaltet sein sollte, damit die Motivation leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler steigt. In Vorarbeiten entwickelte das IPN ein Modell, mit dem die Wirkung von Nachhilfeunterricht beschrieben werden kann. Das Modell berücksichtigt dabei Befunde zur Unterstützung durch Eltern bei Hausaufgaben und zur Unterrichtsqualität im regulären Schulunterricht. Dieses Modell wird nun mit den Daten der Hamburger Längsschnittstudien KESS und LAU geprüft.

„Wir schauen uns zum Beispiel an, wie lange und wie oft ein Schüler oder eine Schülerin Nachhilfeunterricht erhält. Außerdem nehmen wir die Lehrkräfte, die Unterrichtsinhalte, die Motivation der Schülerinnen und Schüler sowie ihr Fähigkeitsselbstkonzept, Leistungsangst und Arbeitsverhalten in den Blick“, so Prof. Dr. Olaf Köller, Projektleiter am IPN. „Wir erhoffen uns davon, fundierte Aussagen dazu machen zu können, unter welchen Bedingungen Nachhilfeunterricht Schülerinnen oder Schülern etwas bringt.“

Kontakt
Dr. Karin Guill
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Zu MILES
MILES (Methodological Issues in Longitudinal Educational Research) ist ein Konsortium von Partnern, die im Bereich der Empirischen Bildungsforschung tätig sind. MILES nimmt Datensätze in den Blick, die aufgrund des längsschnittlichen Untersuchungsdesigns äußerst komplex sind, und bearbeitet methodische Probleme der längsschnittlichen Skalierung und Modellierung von Leistungsdaten.

Leitung und Sprecher:
Prof. Dr. Olaf Köller, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN)

Mitglieder:
Hamburger KESS/LAU-Team: Dr. Roumiana Nikolova, Stanislav Ivanov, Staatsrat a.D. Ulrich Vieluf
Humboldt-Universität zu Berlin: Prof. Dr. Rainer H. Lehmann
Institut für Schulentwicklungsforschung / Technische Universität Dortmund: Prof. Dr. Wilfried Bos
IPN / Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Prof. Dr. Jürgen Baumert; Prof. Dr. Oliver Lüdtke; Prof. Dr. Gabriel Nagy, Dr. Karin Guill
Universität Hamburg: Prof. Dr. Knut Schwippert
DIPF / Berlin: Prof. Dr. Kai Maaz; Dr. Michael Becker; Dr. Marko Neumann
Universität Tübingen: Prof. Dr. Ulrich Trautwein

Assoziierte Mitglieder:
Institut für Schulentwicklungsforschung / Technische Universität Dortmund. Dr. Daniel Kasper; Dr. Heike Wendt
Universität Potsdam: Prof. Dr. Michel Knigge
DIPF / Frankfurt: Prof. Dr. Johannes Hartig, Prof. Dr. Eckhard Klieme, Dr. Svenja Vieluf
Eberhard Karls Universität Tübingen: Prof. Dr. Benjamin Nagengast