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BiSS-EvalLesen

Bildung durch Sprache und Schrift - Evaluation von Konzepten und Maßnahmen der fachübergreifenden Leseförderung im Primarbereich

 

Projektträger: Trägerkonsortium BiSS (Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln, das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und die Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB))

Zuwender: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Projektlaufzeit: 01.08.2015 bis 31.07.2018

Hintergrund

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) ist ein fünfjähriges Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Im Rahmen des Programms werden die in den Bundesländern eingeführten Angebote zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung für Kinder und Jugendliche im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und Effizienz wissenschaftlich überprüft und weiterentwickelt.

Das Verbundvorhaben sieht die formative Evaluation von Konzepten und Maßnahmen der fachübergreifenden Leseförderung der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) vor, die in den Modulen P3 und P4 im Rahmen der schulischen Bildung im Primarbereich gezielt die Diagnostik und Förderung von Leseflüssigkeit, ihren Voraussetzungen und Leseverständnis unterstützen. Vor dem Hintergrund der spezifischen Ziele der sieben Verbünde sollen die Prozesse der Umsetzung der Diagnose- und Förderkonzepte systematisch mit Hilfe von Fragebogen, Interviews und Testdaten, Konzept- und Materialanalyse sowie videographierten Unterrichts-/Fördereinheiten evaluiert werden.

Zielsetzung

Vor dem Hintergrund des Forschungsstands und des Gesamtkonzepts von BiSS werden sieben übergeordnete Fragen für die formative Evaluation formuliert:

1) Ziel- und Konzeptanalyse: Welche Ziele sollen durch die einzelnen Diagnose- und Fördermaßnahmen in den Bereichen Leseflüssigkeit, ihren Voraussetzungen (u.a. Lesemotivation, Lesestrategien) und Leseverständnis erreicht werden, was sind die theoretischen Grundlagen der Konzepte, welches sind die zentralen Elemente und welche Schritte zur Zielerreichung sind geplant? Wie genau ist die Diagnose auf die Fördermaßnahmen abgestimmt?

2) Prozessanalyse Entwicklung: Wie wurden und werden die intendierten Lesediagnose- und Leseförderkonzepte in den schulischen Alltagssituationen (weiter-)entwickelt? Wer ist in diesen Prozess wie involviert und welche konzeptionellen oder organisatorisch-strukturellen Änderungen wurden/werden vorgenommen?

3) Prozessanalyse Implementation: Wie werden die Diagnose- und Fördermaßnahmen in Bezug auf Leseflüssigkeit, ihre Voraussetzungen und Leseverständnis in der schulischen Praxis implementiert? Was sind aus Sicht der verschiedenen Akteurinnen und Akteure die Gelingensbedingungen für die Gesamtmaßnahme bzw. spezifische Elemente in den Bereichen (3a) inhaltliche Planung, (3b) Struktur und (3c) Organisation?

4) Prozessanalyse Kontext: Inwieweit sind die Diagnose- und Förderkonzepte für die Lesekompetenz (Leseflüssigkeit, deren Voraussetzungen, Leseverständnis) in die weiteren schulischen Konzepte (Schulprogramme, Qualitätsentwicklung, Fortbildungen u.ä.) integriert? Welche Bedeutung haben sie im Gesamtkonzept der Schule, wer ist beteiligt und in wie weit ist eine breite Institutionalisierung angelegt?

5) Prozessanalyse Qualifizierung: Welche Maßnahmen zur Professionalisierung der Lehrkräfte in den Bereichen Leseflüssigkeit, deren Voraussetzungen und Leseverständnis (Diagnostik, Förderung) wurden durchgeführt/sind geplant, wie wirksam sind diese und welcher zusätzliche Unterstützungs-/Fortbildungsbedarf wird im Feld gesehen?

6) Qualitätsanalyse: Welche Qualitätsmerkmale der Konzepte können auf Basis (6a) der theoretischen Konzepte und der in der Literatur berichteten empirischen Wirksamkeitsevidenz für die Leseflüssigkeit, deren Voraussetzungen und das Leseverständnis und (6b) der Erfahrungen von Lehrkräften, Kindern und Eltern im Feld identifiziert werden? Welche Best-Practice-Beispiele können für die beiden Bereiche der Lesekompetenz gefunden werden?

7) Synthese und abschließende Rückmeldung: Was sind die zentralen Erkenntnisse aus der Konzept-, Entwicklungs-, Implementations-, Kontext-, Qualifizierungs- und Qualitätsanalyse für die Diagnostik und Förderung der Leseflüssigkeit, ihrer Voraussetzungen und des Leseverständnisses im schulischen Kontext? Welche Optimierungen können den Akteuren vorgeschlagen werden?

Anlage des Projekts

1. Erhebung
Die Erhebungen haben unterschiedliche inhaltliche sowie methodische (qualitativ, quantitativ) Schwerpunkte. In einem ersten Schritt werden die schriftlichen Diagnose- und Förderkonzepte für den Bereich Lesekompetenz analysiert (s. Fragestellung 1: Ziel- und Konzeptanalyse), wobei systematisch unterschieden wird, ob der Schwerpunkt der Verbundarbeit auf der Entwicklung, Erprobung und Optimierung von Maßnahmen der Professionalisierung der Lehrpersonen durch Fortbildungen (z.B. EV2-P5) oder von Materialien und Konzepten für die Unterrichts- und Förderarbeit mit Schülerinnen und Schülern (z.B. EV2-P11) liegt. Darüber hinaus werden die Konzepte daraufhin analysiert, welcher Aspekt (u.a. Leseflüssigkeit, Lesestrategien, Lesemotivation, Textverständnis) im Mittelpunkt steht und welche Aspekte zusätzlich berücksichtigt werden. Anschließend daran erfolgt die erste Erhebung bei ausgewählten Lehrpersonen und Schulleitungen. Diese qualitative und quantitative Datenerhebung hat zum Ziel, die Ausgangslage der Projekte/Verbünde zu bestimmen und Bedarfe der Beteiligten zu ermitteln.

2. Erhebung
Eine zweite Erhebung bei Lehrkräften, Schulleitungen, Eltern und Kindern hat die Ziele, die Evaluationsfragen 2 (Prozessanalyse Entwicklung), 3 (Prozessanalyse Implementation) und 5 (Prozessanalyse Qualifizierung) zu untersuchen sowie als Teil von Frage 6 (Teil Qualitätsmerkmale der Konzepte) die Kompetenzen der beteiligten Kinder in den Bereichen Leseflüssigkeit und Leseverständnis mit verbundübergreifenden Tests sowie Lesemotivation, Leseselbstkonzept, Lesestrategienutzung und Leseverhalten in Ergänzung zu den bereits maßnahmenspezifisch eingesetzten Diagnostiktools zu ermitteln. Die zweite Erhebung führt zur zweiten ergebnisbasierten Rückmeldung und Möglichkeit zur ersten evaluationsbasierten Anpassung der Maßnahmen. Parallel zu dieser Erhebungs- und Rückmeldephase werden die Schulprogramme und weitere Konzeptpapiere der Schulen analysiert, um die Frage der Integration der Förderkonzepte für die Lesekompetenz in die weiteren schulischen Konzepte (Forschungsfrage 4 zur Prozessanalyse des Kontexts) zu klären.

3. Erhebung
Eine dritte Erhebung fokussiert dann im zweiten Evaluationsjahr mit Videoaufzeichnungen von realen Unterrichts-/Fördersituationen in den Maßnahmen und mit einer Analyse der entwickelten Diagnose- und Fördermaterialien anhand von theoriebasierten Kriterien auf das Themenfeld von Fragestellung 6 (Qualitätsanalyse). Die Ergebnisrückmeldung dieser dritten Datenerhebung sieht die Interpretation von Best Practice-Ausschnitten der Unterrichts-/Fördervideos durch die wissenschaftliche Begleitung und die Lehrpersonen als zentrales Element vor und liefert die Grundlage für eine weitere ergebnisbasierte Optimierung der Maßnahmen sowie eine perspektivische Übertragung erfolgreicher Maßnahmen in die weitere Schullandschaft.

4. Erhebung
Eine vierte Datenerhebung im letzten Jahr der formativen Evaluation greift die Fragen 2-6 erneut auf und prüft diese in Bezug auf die optimierten Konzepte und Prozesse. Die abschließende Ergebnisrückmeldung, die auf Fragestellungen des Bereichs 7 Synthese und Rückmeldung eingehen, sollen die Lehrenden aufgrund der zuvor durchgeführten Professionalisierung und des erworbenen Orientierungswissens selbstständig interpretieren und umsetzen können. Dies erfolgt im letzten Projekthalbjahr und ist mit einem gemeinsamen Abschlusstreffen verbunden, in dessen Rahmen auch die für die Übertragung auf das weitere Feld wichtige Frage besprochen wird, welche der als erfolgreich evaluierten bzw. optimierten Tools in die Toolbox überführt werden sollen.

Weitere Informationen:  http://www.biss-sprachbildung.de

Beteiligte Arbeitsbereiche und Personen

Am IPN ist die Abteilung Erziehungswissenschaft an BiSSEvalLesen beteiligt.

Im Rahmen des Projekts kooperiert das IPN mit Prof. Dr. Nele McElvany (Schulentwicklungsforschung, Technische Universität Dortmund) und Prof. Dr. Wilfried Bos (Schulentwicklungsforschung, Technische Universität Dortmund).

Erziehungswissenschaft, IPN
Olaf Köller
Annika Teerling
Regine Asseburg

Schulentwicklungsforschung, Technische Universität Dortmund
Nele McElvany

Wilfried Bos
Miriam M. Gebauer
Annika Ohle
Franziska Schwabe
Jennifer Igler
Theresa Schlitter