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EIKA

Entwicklung und Implementierung eines neuen Konzeptes zur Eingliederung Jugendlicher in die Berufs- und Arbeitswelt in Schulen mit erhöhtem Förderbedarf

Das Projekt "Entwicklung und Implementierung eines neuen Konzeptes zur Eingliederung Jugendlicher in die Berufs- und Arbeitswelt in Schulen mit erhöhtem Förderbedarf" (EIKA) setzte Fördermaßnahmen zur Verringerung sozialer und ethnischer Disparitäten an Bremer und Bremerhavener Schulen um. Dies wurde in einem Kooperationsvorhaben des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) der Humboldt-Universität zu Berlin, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin sowie zuletzt des IPN wissenschaftlich begleitet. Die gewonnen Daten werden zusätzlich dafür genutzt, inhaltliche und methodische Fragestellungen der Pädagogischen Psychologie und Empirischen Bildungsforschung zu bearbeiten.

In einem Mehrkohorten-Längsschnittdesign wurden drei Altersgruppen in der Sekundarstufe I in den Jahren 2004 bis 2008 wiederholt untersucht. In den teilnehmenden Schulen wurden jeweils die kompletten Jahrgangsstufen (5., 7. und 9. Jahrgangsstufe) befragt und getestet. Bei jeder Erhebung wurde die aktuelle Jahrgangsstufe 5 als neue Kohorte einbezogen. Die Stichprobe umfasst damit unterschiedliche Kohorten, für die Daten aus ein bis drei Wellen vorliegen. Für die Kohorte 1 erlaubt die Anlage der Studie, die Veränderungen über einen Zeitraum von vier Jahren vorherzusagen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Erhebungsdesign von EIKA. K = Kohorte; T = Testzeitpunkt.

Für die Leistungsmessung in den Bereichen Mathematik, Lesen und Orthografie wurden curricular valide Instrumente eingesetzt. Die unterschiedlichen Testversionen waren über Ankeritems verbunden und ermöglichen daher Längsschnittanalysen auf einer gemeinsamen Metrik von der 5. bis zur 9. Jahrgangsstufe. Eine Besonderheit von EIKA besteht in der umfassenden Berücksichtigung des Sozialverhaltens: Es wurde neben Selbstberichten der Schülerinnen und Schüler sowie Fremdberichten von Lehrkräften und Eltern durch soziometrische Verfahren erfasst, in denen sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig einschätzten. Die Einschätzungen des Sozialverhaltens aus verschiedenen Perspektiven können dazu beitragen, prosoziales und deviantes Verhalten in der Sekundarstufe I valide zu beschreiben. Die Schülerfragebögen beinhalteten darüber hinaus Fragen zum familiären Hintergrund sowie zu schulbezogenen Erfahrungen und Ansichten. Aufgrund eines hohen Stichprobenanteils von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sowie aus Familien mit geringem sozioökonomischem Status können diese Merkmale systematisch in die Analysen einbezogen werden.

Ausgewählte Forschungsfragen

  • Reziproke Effekte zwischen verschiedenen Fähigkeiten 
    Schulleistungen in unterschiedlichen Bereichen sind in der Regel mindestens moderat korreliert. Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen wie z.B. gemeinsame zugrunde liegende Fähigkeiten wie Intelligenz oder Transfereffekte von der einen auf die andere Leistung. Für die Frage, wie sich diese Zusammenhänge in der Entwicklung von Schulleistungen niederschlagen, gibt es aber bisher wenig empirische Evidenz. Das Design von EIKA erlaubt es, dies längsschnittlich zu analysieren, wobei sowohl Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Domänen (Deutsch und Mathematik) als auch zwischen Fähigkeiten innerhalb einer Domäne (Leseverständnis und Orthografie) betrachtet werden können.
  • Welche Bedeutung haben kognitive und motivationale Personenmerkmale für die Schulleistungsentwicklung in der Sekundarstufe I?
    Motivation gilt in Lernkontexten jenseits von kognitiven Maßen wie der psychometrischen Intelligenz als begünstigender Faktor für Kompetenzerwerb. Die empirische Evidenz für positive Effekte von Motivation auf Kompetenz unter Kontrolle kognitiver Grundfähigkeiten ist jedoch eher schwach. Das Erhebungsdesign von EIKA ermöglicht einen elaborierten Zugang zur Analyse der Bedeutung motivationaler Personenmerkmale neben kognitiven Merkmalen für die Schulleistungsentwicklung in der Sekundarstufe I.
  • Inwieweit wirkt sich Problemverhalten auf die Schulleistungsentwicklung aus?
    Problemverhalten Jugendlicher kann zu schlechteren Schulleistungen beitragen, da es den eigenen Lernaktivitäten abträglich ist. Zudem kann störendes Verhalten im Klassenraum das Durchführen effektiven Unterrichts erheblich erschweren und die Lehrer-Schüler-Beziehung belasten, was möglicherweise zusätzlich zu objektiv schwächeren Leistungen in Noten reflektiert wird. Frühere Studien zeigen darüber hinaus, dass schwache Schulleistungen zu Problemverhalten beitragen. Im Rahmen des EIKA-Projekts kann dieses komplexe Zusammenspiel von Problemverhalten und verschiedenen Maßen der Schulleistung im Längsschnitt untersucht werden.
  • Die Auswirkung der wiederholten Testbearbeitung auf die Abschätzung von Leistungszuwächsen
    Längsschnittstudien verlangen die wiederholte Erfassung der fokalen Leistungsbereiche mittels identischer oder äquivalenter Testverfahren. Eine Reihe von Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass eine wiederholte Testvorgabe mit Übungseffekten assoziiert sein kann. Solche Übungseffekte implizieren systematische Verzerrungen der Zuwachsmessung und stellen somit eine Gefahr für die Validität der aus den Studien gezogenen Schlussfolgerungen dar. Aufgrund des Erhebungsdesigns von EIKA lassen sich Kohorten miteinander vergleichen, die identische Tests bearbeitet haben, sich aber im Ausmaß der vorangegangenen Testerfahrung voneinander unterscheiden. Da die Kohorten sich nicht systematisch in anderen zentralen leistungsrelevanten Merkmalen voneinander unterscheiden, ist es möglich, die Effekte der wiederholten Testdarbietung auf die gemessenen Leistungszuwächse in verschiedenen Domänen abzuschätzen.

 

Mitwirkende:

IPN:
Prof. Dr. Olaf Köller
Prof. Dr. Gabriel Nagy
Prof. Dr. Jan Retelsdorf
Christian Schöber
Dr. Kerstin Schütte
Dr. Päivi Taskinen

Institut für Psychologie, CAU Kiel:
Julia Becherer
Prof. Dr. Friederike Zimmermann