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MILES

Methodological Issues in Longitudinal Educational Studies

Ausgangslage:

Die Stadt Hamburg hat mit den Längsschnittstudien LAU (Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung) und KESS (Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern) seit dem Jahr 1995 zwei Datensätze generiert, welche die systematische Analyse von Leistungsverläufen in unterschiedlichen Fächern vom Beginn der Sekundarstufe I bis zum Ende der Sekundarstufe II erlauben. Beide Datensätze sind aufgrund des längsschnittlichen Untersuchungsdesigns äußerst komplex. Dies gilt insbesondere für die Leistungsdaten, da hier aufwendige Ankeritem-Designs mit Linkingitems innerhalb von und zwischen Erhebungszeitpunkten vorliegen.

Zielsetzung:

LAU und KESS sind bislang umfangreich in überwiegend deskriptiven Berichten dokumentiert. Darüber hinaus bietet sich mit den Studiendaten die Möglichkeit, methodische und substanzielle Fragestellungen der Längsschnittforschung vertiefend zu bearbeiten. Mit dieser Zielsetzung konstituierte sich im Sommer 2012 ein wissenschaftliches Konsortium unter Leitung von Prof. Dr. Olaf Köller.

Aus dem wissenschaftlichen Konsortium wurde eine Reihe von Projekten entwickelt, von denen nun fünf durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden.

Projekte:

  • Das Projekt von Michael Becker, Marko Neumann und Kai Maaz zu Primären und sekundären Herkunftseffekten an unterschiedlichen Gelenkstellen des Bildungssystems über den gesamten Verlauf der Sekundarstufe konzentriert sich auf soziale Disparitäten im Bildungserfolg. Die Entwicklung primärer (leistungsbezogener) und sekundärer (nicht-leistungsbezogener) Herkunftseffekte wird an vier Gelenkstellen, nämlich dem Übergang zwischen Grundschule und Sekundarstufe I, nach der Beobachtungsstufe, zwischen Sekundarstufe I und Sekundarstufe II, und am Übergang nach der Sekundarstufe II betrachtet. Dabei soll komparativ untersucht werden, wie sich die primären und sekundären Effekte an den Entscheidungsschwellen über die Sekundarstufe hinweg verändern und wie Veränderungen in der Bildungsnachfrage (gestiegene Abiturientenquote zwischen LAU und KESS) mit der Entwicklung von Ungleichheitsmustern zusammenhängen.

 

  • Das Projekt von Johannes Hartig, Eckhardt Klieme, Kai Maaz und Svenja Vieluf zur Modellierung von Ergebnisqualität und Chancengleichheit auf Schulebene nimmt ebenfalls soziale Disparitäten in den Blick, aber unter dem Gesichtspunkt der Schuleffektivität. Als Kriterium für Schuleffektivität wird also nicht nur die Ergebnisqualität im Sinne des Zuwachses von Bildungsergebnissen wie Schülerleistungen sondern auch die Chancengleichheit, d. h. die Entkopplung von Sozialstatus und Bildungsergebnissen, betrachtet. So soll u.a. untersucht werden, ob Schulen sowohl bezüglich ihrer Ergebnisqualität als auch ihrer Chancengleichheit erfolgreich sein können. Zudem sollen Struktur- und Prozessmerkmale effektiver Schulen identifiziert werden und im Vergleich von LAU und KESS die Stabilität von Ergebnisqualität und Chancengleichheit an einer Schule über die Zeit untersucht werden.

 

  • Jens Möller und Jürgen Baumert fokussieren in ihrem Projekt Bilingualer Unterricht und die Entwicklung von Schulleistungen, kognitiven Fähigkeiten und motivationalen Merkmalen in der Sekundarstufe I und II – eine Sekundäranalyse der LAU- und KESS-Daten (BLUE-SKM) einen spezifischen Aspekt von Instruktionsqualität. Untersucht werden soll, wie sich im Laufe der Sekundarstufe I und II der in ausgewählten Fächern immersiv in der Zweitsprache Englisch durchgeführte Unterricht auf die Leistungen von Schülerinnen und Schüler im Englischen, Deutschen und den Naturwissenschaften sowie auf ihre Motivation auswirkt.

 

  • Das Projekt Gelingensbedingungen von Nachhilfeunterricht – eine Re-Analyse der LAU und KESS-Daten von Karin Guill und Olaf Köller lässt sich ebenfalls dem Bereich der Instruktionsquantität und –qualität zuordnen. Dabei steht jedoch nicht schulischer Unterricht, sondern in Abhängigkeit vom familiären Umfeld organisierter privater Nachhilfeunterricht im Fokus. Untersucht werden sollen Effekte der Dauer und Intensität des Nachhilfeunterrichts, der Qualifikation der Lehrkräfte, der Unterrichtsinhalte, des Lehrerverhaltens bei Leistungsrückmeldungen und der motivationalen und leistungsbezogenen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler auf den Lernerfolg und motivationale Variablen wie Fähigkeitsselbstkonzept, Leistungsangst und Arbeitsverhalten.

 

  • Auch das Projekt von Benjamin Nagengast und Ulrich Trautwein zu Effekten von schulischen Auslandsaufenthalten – Eine Re-Analyse der LAU-Studie beschäftigt sich mit den Effekten einer primär aus dem familiären Umfeld initiierten Maßnahme. Dabei sollen zunächst zentrale Faktoren auf Schüler- und Schulebene identifiziert werden, die einen Aufenthalt im Ausland vorhersagen. In einem zweiten Schritt soll eine vertiefte Untersuchung der Effekte eines englischsprachigen Auslandsaufenthalts auf die Entwicklung der Englischkompetenz und Abiturnoten im Fach Englisch erfolgen, wobei hier für die Bereiche Lesen, Schreiben und Hörverstehen differenziert wird. Abschließend soll eine Erweiterung der Analysen auf andere Fächer unter besonderer Berücksichtigung des Faches Mathematik erfolgen.


Weitere Themenbereiche werden erarbeitet.

 

Wissenschaftliches Konsortium:

Leitung und Sprecher: Prof. Dr. Olaf Köller, IPN / Universität Kiel

Mitglieder:

Hamburger KESS/LAU-Team
Dr. Roumiana Nikolova
Stanislav Ivanov
Staatsrat a.D. Ulrich Vieluf

Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Rainer H. Lehmann

IFS / TU Dortmund
Prof. Dr. Wilfried Bos

IPN / Universität Kiel
Prof. Dr. Jürgen Baumert
Prof. Dr. Oliver Lüdtke
Prof. Dr. Gabriel Nagy

Universität Hamburg
Prof. Dr. Knut Schwippert

DIPF / Berlin
Prof. Dr. Kai Maaz
Dr. Michael Becker
Dr. Marko Neumann

Universität Tübingen
Prof. Dr. Ulrich Trautwein

Assoziierte Mitglieder:

IFS / TU Dortmund
Dr. Daniel Kasper
Dr. Heike Wendt

IPN / Universität Kiel
Dr. Karin Guill

Universität Potsdam
Prof. Dr. Michel Knigge

DIPF / Frankfurt
Prof. Dr. Johannes Hartig

Prof. Dr. Eckhard Klieme
Dr. Svenja Vieluf

Universität Tübingen
Prof. Dr. Benjamin Nagengast

Dauerhafte Gäste des wissenschaftlichen Konsortiums:

IPN / Universität Kiel
Dr. Alexander Robitzsch

Humboldt-Universität zu Berlin
Prof. Dr. Petra Stanat

Universität Bamberg
Prof. Dr. Claus Carstensen

Universität Jena
Prof. Dr. Andreas Frey

Kontakt:

Dr. Karin Guill
Marit Kristine List

 

Materialien: