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Systematisch einführen oder selbst entdecken lassen? Eine experimentelle Studie zur Förderung der adaptiven Nutzung von Rechenstrategien bei Grundschulkindern
A. Heinze, J. Arend, M. Grüßing, F. Lipowsky

Systematisch einführen oder selbst entdecken lassen? Eine experimentelle Studie zur Förderung der adaptiven Nutzung von Rechenstrategien bei Grundschulkindern

Unterrichtswissenschaft. https://doi.org/10.1007/s42010-019-00063-6

Die adaptive Nutzung von Rechenstrategien, d. h. das Lösen von Arithmetikaufgaben durch wenige und einfache Rechenschritte, gehört zu den wünschenswerten Zielen des Mathematikunterrichts der Grundschule. Im Hinblick auf die Förderung der adaptiven Strategienutzung deuten Forschungsergebnisse einerseits darauf hin, dass eine explizite Vermittlung von Rechenstrategien die Flexibilität der Grundschulkinder bei der Strategienutzung einschränkt. Andererseits bauen Grundschulkinder in Lernumgebungen, in denen sie ihre eigenen Rechenstrategien entwickeln sollen, oft nur ein eingeschränktes Strategierepertoire auf, in dem anspruchsvolle Strategien fehlen. In der hier dargestellten Studie wurde basierend auf einem Modell des Strategieerwerbs und Kriterien der instruktionalen Kohärenz eine Unterrichtssequenz für eine idealtypische explizite Strategieinstruktion entwickelt, die auch die adaptive Strategienutzung adressiert. Dieser explizite Ansatz umfasst die Einführung und Übung von Additions- und Subtraktionsstrategien sowie den Vergleich von Strategien. In einer einwöchigen experimentellen Studie (16 Unterrichtsstunden) mit 78 Grundschulkindern der Klassenstufe 3 wurde dieser explizite Unterrichtsansatz mit einem alternativen impliziten Unterrichtsansatz verglichen. In der Vergleichsgruppe sollten die Grundschulkinder ohne inhaltliche Instruktion eigenständig Rechenstrategien und aufgabenbezogene Effizienzkriterien entwickeln sowie die Strategien für das Aufgabenlösen vergleichen. Ergebnisse des Prä-Post-Vergleichs und von kurzen Zwischentests zeigen Vorteile des expliziten Unterrichtsansatzes für die Entwicklung des Strategierepertoires der Kinder. Kinder des expliziten Ansatzes verwendeten insbesondere anspruchsvolle Strategien häufiger. Bei der Förderung der adaptiven Strategienutzung zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Unterrichtsansätzen. Insgesamt konnte auf Basis der Kriterien instruktionaler Kohärenz ein Unterrichtsansatz zur expliziten Strategievermittlung entwickelt werden, der sowohl zum Aufbau des Strategierepertoires beiträgt als auch die adaptive Nutzung von Strategien fördert. Implikationen für die Forschung und die Unterrichtspraxis werden diskutiert.