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Mehr Mathematik als erwartet: IPN-Studie zeigt, Hochschullehrende erwarten von Studienanfängerinnen und -anfängern substanzielle mathematische Kenntnisse

29. Juni 2021

Die MaLeMINT-E-Studie vom IPN, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, zeigt, dass Lehrende an Hochschulen mathematische Lernvoraussetzungen auch bei Studierenden jenseits der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Fächer erwarten. Diese Lernvoraussetzungen gehen teilweise deutlich über basale Grundkenntnisse und -fertigkeiten hinaus.

Viele studieninteressierte Schülerinnen und Schüler beenden die Schule in dem Glauben, Mathematik bräuchten sie nie wieder. Spätestens im Studium wird ein Großteil von ihnen dann doch wieder mit Mathematik konfrontiert – selbst wenn sie Studiengänge außerhalb der klassischen MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gewählt haben. Es ist anzunehmen, dass Mathematik jenseits basaler Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten von mehr als 80 % der Studierenden benötigt wird. So stellen auch Studienfächer wie beispielsweise Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Sportwissenschaft oder Architektur mitunter hohe mathematische Anforderungen, die bei einem Teil der Studierenden zu einer Überforderung führen und in schlechten Noten bzw. einem Studienabbruch münden können.

Die Broschüre „Studieren ohne Mathe? Welche mathematischen Lernvoraussetzungen erwarten Hochschullehrende für Studienfächer außerhalb des MINT-Bereichs?“ mit Details zur Studie und ihren Ergebnissen steht hier zum Download bereit:

Welche mathematischen Lernvoraussetzungen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer von Studierenden außerhalb der MINT-Fächer erwarten, wurde nun in einer Studie des IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik erhoben. Rund 550 Hochschullehrende beteiligten sich an dieser deutschlandweiten Delphi-Studie. Über drei Runden hinweg wurden die Einschätzungen der Expertinnen und Experten erfasst, strukturiert und zur erneuten Bewertung zurückgespiegelt, um sich einem Konsens anzunähern.

In der Studie ließen sich fünf Studienfachgruppen außerhalb des MINT-Bereichs identifizieren, in denen jeweils ähnliche mathematische Lernvoraussetzungen als Erwartungen an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger geäußert wurden. Diese fünf Studienfachgruppen umfassen

Studienfachgruppe 1: Ingenieurnahe Studienfächer wie Architektur oder Raumplanung,

Studienfachgruppe 2: Studienfächer der Wirtschaftswissenschaften und Psychologie,

Studienfachgruppe 3: Medizinische und naturwissenschaftsnahe Studienfächer,

Studienfachgruppe 4: Sozialwissenschaftliche Studienfächer mit umfangreicheren mathematischen

                                Anforderungen wie Soziologie oder Sportwissenschaft sowie

Studienfachgruppe 5: Sozialwissenschaftliche Studienfächer mit grundlegenden mathematischen

                                Anforderungen wie Kommunikationswissenschaft/Publizistik oder Soziale Arbeit.

 

Teils werden umfangreiche mathematische Kenntnisse und Fertigkeiten vorausgesetzt

Über alle Studienfachgruppen hinweg werden Lernvoraussetzungen aus den Bereichen Mathematische Inhalte, Mathematische Arbeitstätigkeiten sowie Persönliche Merkmale als Voraussetzung zum Mathematiklernen erwartet. Darüber hinaus werden mit Ausnahme von Gruppe 5, zu der hier ein uneinheitliches Meinungsbild vorliegt, auch noch adäquate Vorstellungen über Mathematik als wissenschaftliche Disziplin vorausgesetzt. In der Regel liegt das Anspruchsniveau der Lernvoraussetzungen jenseits basaler mathematischer Kenntnisse und Fähigkeiten und ist in Teilbereichen vergleichbar mit dem Niveau, das auch im MINT-Bereich erwartet wird. Mitbringen sollten Studienanfängerinnen und Studienanfänger beispielsweise sichere Kenntnisse und Fähigkeiten zu einem anschaulichen Verständnis des Stetigkeitskonzepts (in den Gruppen 1–4), zum Differenzieren und Integrieren (Gruppen 2 und 3), zu elementaren Operationen mit Vektoren (Gruppen 1–3) oder zum sicheren Umgang mit grundlegender mathematischer Formelsprache oder zur Nutzung von Taschenrechnern und Computern (Gruppen 1–5). Im Bereich der Stochastik werden sogar teils differenziertere Lernvoraussetzungen erwartet als in den MINT-Fächern, wie beispielsweise ein Verständnis der bedingten Wahrscheinlichkeit oder der stochastischen Unabhängigkeit (Gruppen 2–5). Die Hochschullehrenden erwarten außerdem, dass Mathematik auch als Schulung des präzisen und abstrakten Denkens verstanden werden sollte, das weit über das schablonenartige Anwenden mathematischer Methoden auf Standardprobleme hinausgeht (Gruppen 1–4). Überdies waren sich die Hochschullehrenden einig, dass die Studierenden Offenheit gegenüber der Mathematik als wissenschaftliche Disziplin und dem Mathematiklernen an der Hochschule, aber auch Interesse, Freude, Motivation und Neugier an bzw. gegenüber der Anwendung von Mathematik in außermathematischen Bereichen mitbringen müssen (Gruppen 1–5).

Transparenz zur Vermeidung falscher Vorstellungen

Im Rahmen der Studie bemängelten Hochschullehrende, dass viele Studierende ihr Studium mit falschen Vorstellungen in Bezug auf die mathematischen Anforderungen des Faches aufnehmen. Diese Erfahrungen verdeutlichen einmal mehr, dass es wichtig ist, die Erwartungen an Studienanfängerinnen und Studienanfänger transparent zu machen und die Rolle der Mathematik für eine große Bandbreite an Fächern und Themengebieten aufzuzeigen.

Der Katalog, der in der Vorgängerstudie MaLeMINT (Mathematische Lernvoraussetzungen für das MINT-Studium) entstanden ist, dokumentierte die mathematischen Kenntnisse, die Hochschullehrende bei Studienanfängerinnen und Studienanfängern in den MINT-Fächern voraussetzen. Mit dem in dieser Erweiterungsstudie MaLeMINT-E vorgelegten Katalog wird nun deutlich, welche mathematischen Voraussetzungen für ein Studium jenseits der MINT-Fächer mitgebracht werden sollten. Beide Kataloge sind ein wichtiger Schritt für eine größere Transparenz der Studienanforderungen an Hochschulen in Deutschland.

Weitere Informationen:

https://www.ipn.uni-kiel.de/de/forschung/projektliste/malemint

Kontakt:

Dr. Irene Neumann, Dunja Rohenroth, Prof. Dr. Aiso Heinze

Tel.nr.: (0431) 880-5284
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