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CLiF - Climate Literacy in Focus

Projekte BriCCS, Klub, EnergieweltenPLUS und SaerbeckPLUS

Einen kurzen Überblick über den Projektverbund CLiF und die beteiligten Personen und Projekte bieten unser Animationsfilm sowie unser Vorstellungsvideo. Schauen Sie gerne rein! Mit Klick auf das folgende Bild gelangen Sie außerdem zu unserem Pageflow-Artikel:

Pageflow CLiF noch kleiner

Um der immer weiter wachsenden Herausforderung des Klimawandels zu begegnen, muss die Gesellschaft gemeinsame Ziele formulieren und verfolgen (in Deutschland etwa die Energiewende), wenn nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Zukunft ermöglicht werden soll. Einige dieser Ziele stehen dabei im scheinbaren Gegensatz zueinander. Dies führt zu Unsicherheiten, den einen „richtigen“ Weg gibt es oft nicht. Mögliche Lösungen sind hingegen oft Kompromisse, die ihrerseits eine Bereitschaft zum Dialog und Strategien zur Bewusstmachung eigener und fremder Interessen sowie deren Bewertung und Abwägung erfordern. Den Grundstein zur Bewältigung dieser Herausforderungen muss eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) liefern, in Form schulischer, aber auch außerschulischer Angebote, die die Menschen auf den Umgang mit Unsicherheiten vorbereiten und neben Wissen auch Strategien zur Lösungsfindung vermitteln. Ziel dieser Bildung ist dabei eine „Climate Literacy“, also Wissen, Fähigkeiten und motivationale Faktoren, die für eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und damit zusammenhängenden gesamtgesellschaftlichen Entscheidungsprozessen von Bedeutung sind.

In den hier vorgestellten, eng miteinander verknüpften Projekten werden zentrale Fragestellungen von Wissenstransfer, schulischem und außerschulischem Lernen sowie der Lehrerprofessionalisierung bearbeitet:

 

Project BriCCS (Bringing Climate Change to Schools; Koordination: Carola Garrecht)

 

Logo VR neu

Ziel des Projekts BriCCS ist es, im Sinne von Climate Literacy einen Beitrag zu den Voraussetzungen für die Bewältigung des menschengemachten Klimawandels zu leisten und förderliche Merkmale diesbezüglicher Lerngelegenheiten im naturwissenschaftlichen Unterricht zu identifizieren. Zukünftige Bürgerinnen und Bürger sollten im Kontext Klimawandel nicht nur über Wissen und Fähigkeiten  verfügen, sondern auch Einstellungen und andere nicht-kognitive persönliche Merkmale wie Motivation und Interesse entwickeln, um schließlich klimafreundlich zu handeln. Die naturwissenschaftsdidaktische Forschung hat gezeigt, dass die Risikowahrnehmung des Einzelnen in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle spielt. Auch geschlechtsspezifische Effekte wurden identifiziert. In Anlehnung an diese Grundlagen besteht das erste Ziel des BriCCS-Projekts darin, das Zusammenspiel der verschiedenen Aspekte einer Climate Literacy (Wissen, Fähigkeiten, motivationale Faktoren) zu untersuchen. Zweitens soll untersucht werden, welche Aspekte von Climate Literacy insbesondere Personen charakterisieren, die bereits Maßnahmen für eine klimaschonende Lebensweise ergreifen (z.B. in der Fridays for Future-Bewegung). Der naturwissenschaftliche Unterricht in der Schule legt den Grundstein für eine lebenslange Entwicklung von Wissen und Fähigkeiten, die zur Bewältigung des Klimawandels und seiner Auswirkungen erforderlich sind. Außerdem kann der naturwissenschaftliche Unterricht affektiv-motivationale Merkmale der Schüler fördern, die zusammen mit ihrem Wissen das entsprechende Handeln bedingen. Bisher fehlen empirisch gesicherte Ergebnisse, die zeigen, welche Merkmale von Lerngelegenheiten im naturwissenschaftlichen Unterricht für die Unterstützung von Climate Literacy relevant sind. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten beiden Teilziele sollen im BriCCS-Projekt entsprechend entwickelte Lerngelegenheiten in Interventionsstudien auf ihre Effektivität hin untersucht werden.

 

Projekt Klub (Klimawandel unterrichten und bewerten; Koordination: Carola Garrecht)

 

Logo Telekom-Stiftung

Die Fähigkeit, verschiedene Argumente gegeneinander abzuwägen, sich im Zweifel zusätzliche Informationen zugänglich zu machen und schließlich eine informierte Entscheidung treffen zu können, ist zentral für Climate Literacy (zu dt. etwa Klimagrundbildung). Aus dem Projekt Tube – Tierversuche verstehen und bewerten am IPN Kiel liegen bereits Ergebnisse zur Förderung von Bewertungskompetenz im Rahmen eines öffentlich umstrittenen Themas vor, die nun auf den Kontext Klimawandel übertragen werden sollen.

Der menschgemachte Klimawandel ist und bleibt eine der größten Herausforderungen unserer globalen Gesellschaft. Trotz überwältigender Evidenz bezüglich der Existenz des Klimawandels, sind Unsicherheiten (beispielsweise gewisse Mess- und Modellunsicherheiten) ein inhärenter Bestandteil der Klimaforschung. In einigen Fällen werden diese allerdings dazu genutzt, um die Aussagen der Klimawissenschaft zu diskreditieren. Deshalb sollten Schüler:innen im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts ein grundlegendes Verständnis über diese Unsicherheiten (im internationalen Raum als scientific uncertainty bekannt) vermittelt bekommen, um Aussagen bewerten und den öffentlichen Diskurs zum Klimawandel sachlich kompetent mitgestalten zu können.

In zwei Studien untersucht das Projekt Klub, wie sich Aspekte von scientific uncertainty im Kontext des Klimawandels zur Förderung eines solchen Verständnisses umsetzen lassen.

 

Projekt SaerbeckPLUS (Koordination: Sandra Bornemann, Hanno Michel)

 

BMBF Förderlogo

Die Klimakommune Saerbeck und das IPN verfolgen mit dem Projekt SaerbeckPLUS vier Teilziele:

  1. Weiterentwicklung und nachhaltige Etablierung eines Kompetenz- und Transferzentrums für erneuerbare Energien und Klimaschutz - die Klimakommune Saerbeck 2.0 - mit den zusätzlichen Schwerpunkten Wärmewende und Verkehrswende
  2. Weiterentwicklung der Klimakommune als Ort des Wissenstransfers und der Wissenschaftskommunikation mit deutlicher Stärkung der nationalen und internationalen Netzwerkarbeit
  3. Weiterentwicklung der Klimakommune zu einer Transferwerkstatt für Energie-, Wärme- und Verkehrswende im Kontext von Klimaschutz und Klimawandel
  4. Identifikation relevanter Einflussfaktoren für den gelingenden Transfer des Saerbecker Konzepts auf andere Standorte

Das IPN übernimmt in dem durch das BMBF geförderten Projekt insbesondere die Vorbereitung, Koordination und Durchführung eines Citizen Science-Projekts mit dem Ziel der Wissensvermittlung und der Erarbeitung kommunaler Lösungen für Energie- und Verkehrswende im ländlichen Raum. Im Rahmen einer begleitenden Interventionsstudie im Prä-Post-Design werden die Wirkungen von Climate Literacy und anderer Faktoren auf die Qualität der erarbeiteten Lösungen, die Identifikation mit diesen („Ownership“) sowie die weitere Beteiligungs- und Handlungsintention untersucht. Erfolgreiche Maßnahmen der Klimakommune sollen zum Abschluss des Projekts in einem Handlungsleitfaden für andere Kommunen als Best-Practice-Beispiele so aufgearbeitet werden, dass diese durch weitere Akteure effizient genutzt werden können.

 

Projekt EnergieweltenPLUS (Koordination: Kathryn Leve)

 

DBU-Förderlogo klein

Direkt im Saerbecker Bioenergiepark, einem durch Umwandlung eines ehemaligen Munitionsdepots geschaffenen Nutzungsmix aus Windenergie-, Photovoltaik- und Biogas-Anlagen, führt der durch den Förderverein Klimakommune Saerbeck e.V. betriebene außerschulische Lernstandort Saerbecker Energiewelten seit mehreren Jahren Bildungsangebote für Schulklassen durch. Mit vielfältigen Räumlichkeiten, mehreren begehbaren Energietechnologien direkt am Standort (Photovoltaik, Windenergie, Biomasse, Speichertechnologien) sowie eine Vielzahl verschiedener ausbildender Unternehmen (z.B. Enercon, EGST, Envitec) und Hochschulen (Universität Münster, FH Münster) direkt am Standort bietet der Lernstandort einzigartige Chancen für die Realisierung eines überregional bedeutsamen Kompetenzzentrums zur Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie für Berufsorientierung mit Fokus Energiewende. Das IPN und der Förderverein Klimakommune Saerbeck e.V. verfolgen gemeinsam mit dem zdi-Zentrum Kreis Steinfurt und dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Münstermit dem Projekt EnergieweltenPLUS die folgenden Ziele:

  1. Innovative Berufsorientierung für die Energiewende: Durch die Vielzahl an Unternehmen, die direkt am Standort des Bioenergieparks ansässig sind, können Schülerinnen und Schüler Berufsfelder, Studiengänge und Ausbildungsberufe im Bereich Energiewende hautnah und direkt am Arbeitsplatz kennenlernen. Im Rahmen des Projekts werden hierzu verschiedene Kurs- und Veranstaltungskonzepte erarbeitet und erprobt.
  2. Fächerübergreifende und praxisnahe Aus- und Fortbildung für (angehende) Lehrkräfte zur Bildung für nachhaltige Entwicklung: Mit direktem Bezug zu authentischen Lernumgebungen lernen Lehrkräfte neue Methoden und Inhalte kennen und erproben, wie sie Schülerinnen und Schüler für die Umweltwirkungen ihres Handelns und Konsums sensibilisieren können. Die Angebote werden dabei begleitend am IPN zu Fragestellungen bzgl. Professionswissen im Kontext Climate Literacy beforscht.
  3. Weiterentwicklung des erarbeiteten Modulsystems der Saerbecker Energiewelten sowie Evaluation, Begleitforschung und Wissenstransfer an andere Standorte.

 
 

Aktuelle Kooperationsprojekte: ReNEW (Hanno Michel), EnergyBio (Dirk Mittenzwei)

Publikationen mit Projektbezug:
(1) Mittenzwei, D., Bruckermann, T., Nordine, J., & Harms, U. (2019). The Energy Concept and its Relation to Climate Literacy. Eurasia Journal of Mathematics, Science and Technology Education, 15(6). DOI: 10.29333/ejmste/105637

(2) Michel, H. (2020). From local to global: The role of knowledge, transfer, and capacity building for successful energy transitions. WZB Discussion Papers SP III 2020 – 603. Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Beteiligte Personen:
Sandra Bornemann
Dr. Carola Garrecht
Kathryn Leve
Dr. Hanno Michel
Prof. Dr. Ute Harms