Sie sind hier: Startseite / Publikationen / Zeitschriftenartikel / Ich mag, was ich kann oder kann ich, was ich mag? Über das Zusammenspiel von Interesse, Freude und Konzeptwissen im Fach Chemie
Ich mag, was ich kann oder kann ich, was ich mag? Über das Zusammenspiel von Interesse, Freude und Konzeptwissen im Fach Chemie
Höft, L., Bernholt, S.

Ich mag, was ich kann oder kann ich, was ich mag? Über das Zusammenspiel von Interesse, Freude und Konzeptwissen im Fach Chemie

Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften (ZfDN). DOI: 10.1007/s40573-019-00097-4

Die Förderung des Interesses und der Freude am Fach sowie der Erwerb eines grundlegenden Verständnisses chemischer Konzepte sind wesentliche Ziele des Chemieunterrichts. Diese motivationalen und kognitiven Personenmerkmale prägen nicht nur das Handeln der Schülerinnen und Schüler im Unterricht, sondern auch außerhalb der Schule. In dieser Studie wurde daher untersucht, inwieweit sich die Freude am Chemieunterricht, das Konzeptwissen und das individuelle Interesse der Schülerinnen und Schüler an der Domäne Chemie gegenseitig beeinflussen. Hierzu wurde in einer längsschnittlichen Fragebogenstudie das individuelle Interesse, die Freude und das Konzeptwissen von N = 756 Gymnasiasten (52 % weiblich, Alter zum Studienbeginn = 14,7 Jahre) in der neunten, zehnten und elften Jahrgangsstufe erfasst sowie die Entwicklung der einzelnen Konstrukte und Wechselwirkungen zwischen den Konstrukten, d. h. Effekte auf die individuelle Veränderung über die Zeit, mittels latenter Strukturgleichungsmodelle untersucht. Univariate Analysen zeigen einen geringen Abfall des individuellen Interesses sowie einen moderaten Abfall der Freude und zeitgleich einen starken Anstieg des Konzeptwissens. Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen den Konstrukten deuten bivariate Latent Change Score Modelle auf beidseitige Wechselwirkungen zwischen den drei Konstrukten hin. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung aller drei Konstrukte mittels trivariater Analysen zeigen sich weiterhin reziproke Zusammenhänge zwischen der Freude und dem Konzeptwissen, jedoch nur einseitig positive Effekte der Freude und des Konzeptwissens auf die Veränderung des individuellen Interesses. Die Befunde unterstreichen die Relevanz motivationaler Variablen für das Lernen und weisen auf Potentiale einer gezielteren Integration von Interessen der Schülerinnen und Schüler in den Chemieunterricht hin.